„Der Radschnellweg besitzt höchste Priorität“
Lucas Risse und die Peto wollen Radprojekte in Monheim auch nach der Kommunalwahl fortsetzen - Sonja Wienecke (Opposition) sieht das Erreichte positiv, stellt neue Projekte angesichts der angespannten Finanzlage zunächst unter Vorbehalt.
„Der Radschnellweg besitzt höchste Priorität"
Die beiden Kandidaten für das Bürgermeisteramt in Monheim am Rhein, Lucas Risse und Sonja Wienecke, stellten sich an zwei Abenden den Fragen von Hans Allmendinger und seinen Verkehrsexperten vom ADFC zu Fragen rund ums Fahrradfahren. Wie ernst meinen sie es mit der dringend benötigten Verkehrswende, welche Ziele verfolgt die Politik und - wie soll das alles finanziert werden?
Bei den Zielen sieht Lucas Risse die Fertigstellung des begonnenen Radschnellwegs an erster Stelle. Er verweist dabei auch auf den Bau eines Fahrradparkhauses und die Errichtung weiterer Fahrradstraßen, wie den Gartzenweg. Im Wahlprogramm von Sonja Wienecke steht, dass die Fertigstellung des Radschnellweges unter Berücksichtigung des Baumbestandes Priorität hat. Ein separates Fahrradparkhaus, wie zum Beispiel am Bahnhof in Leverkusen, hat für sie mit deutlichem Verweis auf die desolate Finanzsituation der Stadt im Rahmen des Haushaltssicherungskonzeptes keine oberste Priorität.
Zum Zustand der aktuellen Fahrrad-Infrastruktur verweist Lucas Risse nicht ohne Stolz auf das, was die Peto bereits auf den Weg gebracht hat. Er sieht Monheim im Vergleich mit anderen Städten deshalb sehr gut aufgestellt. Ist aber dennoch willens, an weniger gelungenen Verkehrsführungen wie auf der Krischerstraße oder der Geschwister-Scholl-Straße Veränderungen vorzunehmen. Sonja Wienecke plädiert dafür, Prioritäten zu setzen. Die Veränderung der Geschwister-Scholl-Straße ist ihrer Meinung nach mit Blick auf den Ausbau der A59 kein dringliches Projekt. Hier seien Rad- und Fußweg zumindest aktuell getrennt, auch wenn es sich um einen Zweiwege-Radverkehr handele. Der Verkehrsführung auf der Krischerstraße findet Frau Wienecke aktuell nicht gut gelöst.
Auch beim Thema Geschwindigkeitsbegrenzung vertritt Sonja Wienecke eine klare Position: Sie ist gegen Tempo 30 in der gesamten Stadt. In bestimmten innerstädtischen Regionen, zum Beispiel in der Nähe von Kindergärten, Schulen, Altersheimen, Krankenhäusern und ähnlichen Bereichen, findet sie ein solches Tempolimit im Einzelfall zur Verbesserung der Verkehrssicherheit insbesondere für Fußgänger und Radfahrer jedoch durchaus sinnvoll. Lucas Risse ist generell dafür, behält sich aber ebenfalls vor, von Fall zu Fall zu entscheiden.
Zum Thema Fahrradabstellanlagen und dem Bau eines Fahrradparkhauses gehen die Meinungen auseinander. Lukas Risse verweist hier auf das Beispiel Kulturraffinerie, wo Platz für 300 Fahrräder geschaffen wurde. Das Parkhaus am Busbahnhof wird für 100 bis 200 Räder gebaut. Insbesondere Langzeitparkern soll hiermit die Möglichkeit gegeben werden, ihr Rad sicher abzustellen. Ergänzt werden soll das ganze mit einer Fahrrad-Servicestelle. Sonja Wienecke vertritt die Auffassung, dass ein separates Fahrradparkhaus mit 200 Stellplätzen nicht notwendig ist. Es gebe zwar zu wenig Fahrradabstellanlagen in der Innenstadt, aber die Radfahrer würden die Option schätzen, ihr Fahrrad in der Stadt abstellen zu können, und schnell und auf kurzem Weg etwas zu erledigen.
Beim Monheimer Fahrradverleihsystem räumt Lucas Risse ein, dass es nicht kostendeckend ist. Gleichzeitig freut er sich über eine ständig steigende Nutzerzahl und sieht es als Mehrwert für die Bürger der Stadt. Das Monheimer Fahrradverleihsystem gehört zu den Angeboten, die Sonja Wienecke im Falle ihrer Wahl zur Bürgermeisterin auf den Prüfstand stellen wird. Sie hinterfragt kritisch die Wirtschaftlichkeit des Projektes und behält sich vor, gegebenenfalls notwendige Anpassungen vorzuschlagen. Ihrer persönlichen Beobachtung nach wird das Fahrradverleihsystem viel zu selten von den Bürgerinnen und Bürgern genutzt. Zur seriösen Bewertung der Wirtschaftlichkeit fordert sie deshalb eine konkrete Auswertung der Nutzerzahlen an einzelnen Stationen und darüber hinaus auch der einzelnen Räder-Kategorien.
Auf die Frage, mit welchen konkreten Maßnahmen die Parteien den Radverkehr weiter nach vorne bringen wollen bringt Lucas Risse einen angedachten Panoramaradweg an der alten Eisenbahnlinie ins Spiel. Damit würde auch der touristische Radverkehr gefördert. Er sieht gleichzeitig aber noch hohe Hürden wegen zu befürchtender Einsprüche. Sonja Wienecke stellt sämtliche neue Maßnahmen zunächst unter einen Finanzierungsvorbehalt. Sie sagt ganz deutlich, sie könne auch in diesem Punkt erst konkret werden, wenn der dringend notwendige Kassensturz erfolgt und somit eine ausreichende Transparenz der Finanzlage der Stadt Monheim hergestellt sei.
Lucas Risse erwartet einen Aufschwung der Wirtschaft und damit ab 2027 wieder deutlich steigende Gewerbesteuereinnahmen. Ob die 50-Prozent-Stelle für die städtische Fahrrad-Beauftragte ausreicht, wird er nach der Wahl überprüfen. Sonja Wienecke sagt, sie könne sich zu diesem Thema erst äußern, wenn ihr weiterführende Informationen vorlägen. Um seriös zu bewerten, ob die derzeit halbe Stelle ausreichend sei, müsse sie im Falle ihrer Wahl zunächst konkret wissen, welche Aufgaben die Fahrrad-Beauftragte hat und ob dieses Portfolio perspektivisch erweitert, gekürzt oder verändert werden soll. Denn davon wäre der zukünftige Personalbedarf abhängig. Eine endgültige Entscheidung darüber könne jedoch nur mit Blick auf den Personalkosten-Haushalt getroffen werden.
Horst Viebahn
Pressewart
ADFC Langenfeld/Monheim